der dopaminkick...
oder: macht Sex glücklicher?
von Alex Wenner
Die Frage nach dem "Warum" stelle ich mir fast
täglich und sie ist nur schwierig zu beantworten.
Warum geht ein Mensch Fallschirmspringen, Klettern, Vögeln ? Ein
bekannter österreichischer Bergsteiger bzw. Kletterer (Anm. der
Redaktion: T.B.ben.or.e.), der Bücher wie "Im L.t" oder
so ähnlich verfasst hat, würde sagen: "Sonne, Himmel,
Freifall und ich", er sich selbst bezeichnend als die Urgewalt
in diesem riesigem Universum. Scheisse dachte ich, als ich ein sinnähnliches
Blabla "Im L.t." gelesen habe (Originalzitat: "Sonne,
Felsen, Meer und ich").
Es gibt Menschen, die holen sich den Kick während
eines Liebesfilms im Kino, herzzerreisende Sülze (Anm. d. Red.:
Krasser Macho!), andere brauchen täglich die Grenzerfahrung beim
Base-Springen, beim Apnoe-Tauchen oder beim nur-aus-dem-Flieger-springen.
Sind es die tägliche Sorgen, die da verdrängt werden wollen,
ist es die Suche nach dem "Ich", oder einfach eine verkappte
Reise ins Jenseits, die durch die Schirmöffnung so hart unterbrochen
wird?
Ein mir sehr sympathischer Schriftsteller namens Charles Bukowski schrieb
in seinem kranken Oncle´Sam Hotel: "So oft wir uns auch Sorgen
machten, gegen die Sorgen half kein anderes Mittel als Fi.ken".
"Krass", dachte ich mir, vielleicht hat er recht gehabt.
Die Wissenschaft
D. McCobb (Ithaca, USA) bringts auf den Punkt. Ein Eiweiss
im Körper ist an allem Schuld, dass manch eine/einer bei einem
Liebesfilm oder beim Sex in einer neuen Stellung nur knapp einem Herzinfarkt
entfliehen kann, andere erst beim Absprung ins Nichts dem ultimativen
Kick entgegenfliegen.
Dieses Eiweiss, kurz "Slo" genannt, ist ein Kanalmolekül,
in welches Kaliumionen diffundieren können. Dieses Kanaleiweiss
unterteilt der intelligente Wissenschaftler und sieht sein Vorkommen
in 2 Formen vorliegend, einmal das "Zero", dessen Öffnung
langsam vonstatten geht und welches daher wenige Kaliumionen passieren
lässt, andererseits das "Strex", dass deutlich aktiver
ist, schnell öffnend und durch das daher viele Ionen diffundieren
können.
D. Mc Cobb meint, das Verhältnis beider Formen bestimme die Panikanfälligkeit
einzelner Menschen. So scheint das aktivere Strex durch schnellen Ionenfluss
in der Nebenniere soviel Adrenalin auszuschütten, dass schon geringe
Nervenkitzel diesen Prozess beschleunigen, während der Zero-Mensch
erst den 3000m Freifall braucht, um ähnliche Adrenalindosen zu
erreichen.
Der Kaliumdurchfluss setzt zusätzlich weitere Stesshormone
frei. Zuerst wirkt das Adrenalin auf den Kreislauf (die Sprungbrille
läuft kurz vor Exit an), die Finger werden feucht, das Herz pumpt
mehr Blut und mehr Sauerstoff durch den Körper, das bringt Energie
und ein körperliches Hochgefühl (kurz nach dem Exit im Freifall).
Kortisol macht den Körper frisch, sagen die amerikanischen Wissenschaftler
(R. Sapolsky, Stanford University). Es wirkt auf das Gehirn und löst
eine Dopaminschwemme aus, eine körpereigene Droge, ein Rauschmittel.
Ausgeschüttet wird es aus dem "Nucleus accumbens", dem
Zentrum des Wohlgefühls im Hirn. Dopaminmangel erzeugt dagegen
Depressionen. Menschen mit weniger effizienten Dopamin-D4-Rezeptorgenen
(DRD4) sind dopaminunterversorgt. Daher sucht der Zerotyp die ständig
extremen Situationen, um sich immer und immer wieder in den Dopaminrausch
zu versetzen. Frank Farley (Philadelphia University) ist der Meinung,
dass schon riskanter Sex oder Glücksspiele es für manche Leute
bringen können. Der "Novelty Seeker", also einer, der
den ständigen Drang zu "Neuem" hat, neues ausprobieren
muss, eine Persönlichkeitsstruktur besitzt, bei der nur ständig
gesteigerter Nervenkitzel glücklich macht, wird in Fachkreisen
auch heftig diskutiert.
Die Realität
Was kosten Kino, Sex, Springen; macht eine Kosten-Nutzen-Rechnung
jetzt Sinn, nach soviel Wissen über den Ursprung des "Kicks"?
Nehmen wir mal die Liebesschnulze im Kino. Eintritt 6€, mal zwei
(Madame geht mit) macht 12 €. Kann mannfrau noch 2-3 Tage davon
zehren, kostet der tägliche Kick gerade mal zwischen 2 und 3 Euro
pro Mensch. Die Anschaffungskosten bzw. Ausrüstungskosten sind
gleich null, Klamotten hat sowieso jeder.
Beim Sex ist es nicht viel anders. Nehmen wir mal Madame, bei der nicht
jeder Euro nur 50 Cent wert ist. Die Strapse kosten eventuell was (~25-100€,
50€ im Mittel) , naja ok, frisch kennengelernt kommen dazu: ein
Essen (25€), Cocktailbar (10€) , Flasche Sekt (7€), Kerzen
(1€), Rose (1€) oder auch nicht, macht Summa summarum 94 €.
Jetzt Springen: Ein Tandem kostet schon 180 €, AFF-Ausbildung 2000
€, ein eigener Schirm 6000 €, gebraucht die Hälfte, dazu
Klamotten und sonstiges Zeugs. Kostet zusammen 10.000 €. Dazu kommen
Sprünge, die mit 23 € pro Sprung zu Buche schlagen. Am Tag
5 mal gesprungen, sind am Wochenende schnell mal 230 € weg.
Auf´s Jahr gerechnet muss man bei etwa 12 Kinobesuchen mit 144
€ rechnen, Springen dagegen kostet im Jahr, wenn man davon ausgeht,
dass das Gear 15 Jahre hält und mannfrau 150 mal im Jahr springt,
rund 4100 €, also 683 mal Kinogehen pro Nase, dass würde bedeuten
fast 2x täglich. Sex dagegen ist und bleibt günstig, unter
der Annahme gleichbleibenden Partners schlägt Sex gerade mal mit
0,.25 € pro Tag aufs Jahr gerechnet zu Buche, also ein Betrag,
den jeder Springer noch zusätzlich locker aufbringen kann.
Bukowski hat auch recht und ich meine, es wär doch
schön, ein ganz normaler "Strex-Typ" zu sein.
(Anm. d. Webmasters.:
Ich als Strex-Typ kann dem nur zustimmen. Eine Redaktionsbesprechung
mit AlexW deckt meinen Adrenalinbedarf für den ganzen Tag :-))
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