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MASTER OF ROCK
Die Boulderlegende John Gill
Erschienen im Magazin Klettern, Ausgabe 11/03
Interview: Alex Wenner
Fotos: Archiv John Gill
Deutsche Übersetzung: Alex Wenner & Joe Crothers
© 2003-2004 Alex Wenner & John Gill
John, wann hast du mit dem Bouldern angefangen und was war Deine Motivation und Zielsetzung zu dieser Zeit?
1955 fing ich an, an kleinen Felsen und Blöcken zu klettern und sah diese als eine Art Gerät für Kletterer, so wie ein Turner die Ringe als Gerät sehen. Meine Motivation war komplex. Ich wollte mich einerseits intelektuell und anderseits körperlich entwickeln – ausgeglichen, wie zwei Seiten einer stehenden Münze im Gleichgewicht. Schliesslich erwarb ich den PhD in Mathematik und wurde später Uni-Professor. Zur selben Zeit, in der ich Mathematik studierte, habe ich meine turnerische Fähigkeiten ausgebaut, bin mit Seil geklettert und habe an den Ringen hart gearbeitet.
Ich fing an, das Klettern als Erweiterung des Turnens zu betrachten und ich konnte sehen, das der, die die unglaubliche Stärke eines Ringturners entwickelt, diese Energie auf das Klettern übertragen kann. Das Turnen half mir, die Norm der Schwierigkeitsstufe zu jener Zeit zu durchbrechen und dies sprach mich an, so wie es heute junge Kletterer anspricht.
Es war offensichtlich der Beginn meiner Boulderkarierre an den kleinen Blöcken, wo man Züge üben konnte, wie ein Turner Züge in der Halle einstudierte.
einfingeriger Klimmzug 1969
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Ich wollte auch meine Muskulatur entwickeln. Als ich mit dem Studium begann, hatte ich 1.89m und wog 68kg aber zur diesen Tagen war ein starker männlicher Ausdruck angesagt. Innerhalb weniger Jahre hatte ich 84kg, alles antrainerte Muskeln, kein Fett. Ich hatte ungefähr das gleiche Interesse für das Turnen wie für´s Klettern. Wäre die Schwierigkeitsstufe im Klettern so hoch gewesen wie heute, hätte ich mein Gewicht ganz unten halten müssen, was das Turnen an den Ringen negativ beeinflusst, und das hätte mich nicht glücklich gemacht.
Du wurdest als der “Father of modern bouldering” bezeichnet. Wie siehst du Dich in Bezug auf die gesamte Geschichte des Boulderns?
Es scheint, dass das Bouldern in Grossbritanien und Fontainebleau tief zurück ins 19.Jahrhundert geht. Die exakte Evolution von dem Sport festzulegen ist schwer, wegen unzureichender Protokollierung des Boulderns als eigenständiger Sport, so wir ihn heute sehen.
Nichtsdestotrotz, gibt es Hinweise, die sehr interessant sind. Bilder, die mit dem Begriff Bouldern betitelt sind, gibt es aus Grossbritanien, das vor 1910 aufgenommen wurde und eines von einem Kletterer an einem kleinen Block in Wales 1890.
So viel ich weiss, waren die Bleausards um Pierre Allen in den 30-iger und 40-iger Jahren die ersten, die an kleinen Blöcken ihren Fokus hatten. Sie probierten die Standards zu dieser Zeit auf diese Art zu erweitern und das Bouldern als eigenständige Sportart zu betrachten. Foto´s von ihnen, beim Bouldern in Bleau, schauen überraschend zeitgenössig aus. Ihr Top-Boulder in den 40-ziger Jahren scheint “La Marie Rose” Fb.6c gewesen zu sein. Die Weiterentwicklung in Bleau war konstant, aber nicht spektakulär, mit “Joker” Fb.7a 1953 und “L´Abattoir” Fb.7a 1960, “Carnage” Fb.7b+ 1977 in den 80-zigern mit “C´etait Demain” die erste Fb.8a 1984.
Wenn ich mich in diese mathematische Gleichung miteinbringe, war ich mehr oder weniger wie ein Turbolader in diesem Entwicklungsprozess, mit meinen speziellen Trainingstechniken, der Einführung von Chalk und einer vielleicht anderen Sichtweise des Kletterns – im besonderen des Boulderns- als eine Erweiterung des Turnens.
John 1971 in den Selkirks
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Dies und meine Begehung von “Thimble” 1961 machte das Bouldern auch unter den Traditionellen Kletterern bekannt und zog einige von ihnen zu diesem Sport. In den 70-zigern begannen junge Talente sich im Bouldern zu spezialisieren und sie wurden besser, kletterten schwierigere Boulder, als das was ich bis dato gemacht hatte. Also, ich sehe mich als eine Art innovativer “Turbolader” im Bouldern.
Du hast erste Artikel über die Dynamische Bewegung beim Klettern publiziert und als erster Kinästhetisches Bewusstsein in Bezug mit dem Bouldern gebracht. Kannst du, auch für einen Laien beschreiben, was du damit meinst?
Dynamik war ein Schlüsselpart meines künstlerischen Portfolios. Ein echtes Boulderproblem soll für mich dynamische Züge beinhalten. In den 50-ziger Jahren waren, zumindest in Amerika, kontrollierte dynamische Züge, ein relativ unerforschtes Gebiet. Alles über dem klassischen 3-Punkte-Klettern wurde als gefährlich und ketzerisch betrachtet. Ich empfand die Einstellung als zu konservativ und allgemeingültig, sodass ich mich vom Mainstream-Gedanke verabschiedete und das sogenannte kontrollierte dynamische Klettern schon 1955 am Block trainierte. Hybrid Route am Mental Block
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Ich boulderte, heute rückblickend, das erste bedeutsame dynamische Boulderproblem etwa 1959 am Red Cross Rock in den Tetons. Dynamisch geklettert ist der Boulder etwa Fb.7c, statisch mit einem zusätzlichen Griff ist es Fb.7a.
Es ist interessant, dass die Literatur zwischen 1930 und 1950 ab und zu von einem mysteriösen “rhythm” im Klettern spricht. Dies deutet auf eine Art flüssige, rasante und kontinuierliche Bewegung hin. Es war der Vorbote zu der echten dynamischen Bewegung.
Dynamos sind ziemlich offensichtlich. Ich nehme an, dass du mehr den kinästhetischen Aspekt des Boulderns meinst.
John boulder The Scab 1963
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Wenn du ein Turner bist, lernst du das Gefühl einer weichen und eleganten Bewegung der turnerischen Kür zu schätzen. Sogar eine einfache Kür gibt dir diese Art von Freude. Dies ist eine Empfindung, die unbeschreiblich ist. Du kannst es zum Beispiel bei Eiskunstläufern, Ballet-Tänzern und anderen bewegungintensiven Sportarten beobachten. Es ist ein inneres Gefühl von Schönheit beim Bewegen, ein Bewusstsein bewegender Meditation. Für mich war es so wichtig wie der härteste Zug eines Boulders. In der modernen Boulevard-Kletter-Szene hat kinästhetisches Bewusstsein keinen Platz. Das ist schade !
Du hast die B-Skala eingeführt. Wie wichtig war ein Bewertungssytem in den 60-ziger Jahren, als nur ein paar Leute zum Bouldern gingen? Erzähl mal was über Deine B-Skala.
Ich nutze sie als meine persönliche Bewertungsskala. Ich hatte nur 3 Levels:
B1 = härtester Zug in klassischer Kletterei mit Seil (es gab zu der Zeit das Sportklettern noch nicht), daher gab es die härtesten Kletterzüge in Boulderproblemen, die mit Seil gesichert geklettert wurden.
B2 = die Züge waren schwerer als in B1 Problemen oder es waren wirklich brachiale Bouldereinzelstellen B3 = nur einmal geklettert, quasi unwiederholbar, wurde ein B3 Problem probiert, aber wiederholt, wurde es auf B2 oder B1 abgewertet.
Ich benutzte die B-Skala um die Traditionalisten für meinen neuen Sport zu begeistern. Die B-Skala hatte keine weitere, besondere Bedeutung.
Vielleicht hast du gemerkt, dass junge Leute Zahlen und Buchstaben geradezu aufsaugen. Ich habe absichtlich die Skala nicht in Unterstufen unterteilt, weil ich einen neuen Sport nicht zu mehr als einer Nummern-Jagd runterbrechen wollte. Ausserdem, zuviele Schwierigkeitsstufen sind absurd. Kannst du sagen wo die Genetik endet und die Schwierigkeit beginnt? 1982 The Groove mit Fatted Calf Boulder V11
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Ältere Bilder zeigen dich beim Einarmigen Klimmzug mit Gewichten und Einarmige Hangwaagen. Wie lange hast du dafür trainiert. Ich kenne keinen einzigen Boulderer in Europa heute, die in der Lage ist, das zu wiederholen. Warum und für was hast du so hart trainiert ?
Einarmiger Klimmzug mit Zusatzgewicht
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Ich war nicht nur auf das Bouldern festgelegt, aber ich wollte meine körperlichen Grenzen durch andere Arten wie das Turnen erweitern.
Ich war kein eindimensionaler Mensch, ich war nicht nur Kletterer. Diese Power stammt aus einer Zeit, zu der ich an den Ringen hart trainierte und schwierigste Bewegungen daran konnte.
Damals erreichte ich auch meine Bestzeit an einem 8m langen Seil frei hochzuhangeln. Es ist schwierig deine Frage, wie lange das alles dauerte, zu beantworten. Da ich als Turner meine Muskulatur trainiert hatte, und mein Hirn irgendwann zusätzlich mit ins Spiel brachte, dauerte es nicht mehr allzulange bis zur einarmigen Hangwaage. einarmige Hangwaage
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Dein Boulder “Thimble” wurde in vielen Artikel und Bücher erwähnt. Heute würde ihn jemand als gefährlichen Highball bezeichnen. War es nicht mehr ein Free-Solo einer Sportkletterroute? Hattest du Spotter oder Crashpads zur Zeit der Erstbegehung?
Wie stand es mit Chalk, Pof oder Bürsten, um Griffe zu putzen, alles was ein Boulderer heute einsetzt?
Weder Free Solo noch Sportklettern existierte zu der Zeit, auch den Ausdruck Highball-Boulder-Problem kannte niemand. Ich empfand mich grundsätzlich als 3rd class Kletterer – eine Bezeichnung, auf die ich später näher eingehen werde. Vom Anfang des modernen amerikanischen Boulderns, haben wir uns gegenseitig während unserer Boulder-Sessions gespottet. Das kam vom Umgang mit den Turnern.
Wir hatten keine Crash-Pads, entweder du bist ohne geklettert oder hast ein Toprope installiert. Boulder-Pads sind eine vergängliche Technologie. Wenn du die Prämisse akzeptierst, warum nicht gleich zu grossen Luftkissen greifen, wie bei den Stunts in den Action-Filmen. Manchmal benuzten wir ein Top-Rope, denn es gab keinen Anreiz sein Leben für einen Sport zu riskieren, den nur ein paar Leute kannten. John bouldert in den Gunks
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Ich führte so um 1950 Chalk in der Kletterwelt ein. Manchmal benutze ich eine kleine Stahlbürste, um die kleineren Griffe vom Dreck zu befreien.
John Sherman klettert Thimble
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Mit dem Boulder “Thimble” war es eine persönliche Herausforderung zu sehen, wo meine Grenzen als forschender ungesicherter Solo-Kletterer lagen, sicherlich das letzte Stück Neuland, was es zu betreten galt. Ich erinnere mich an einen jungen Flieger der Air-Force, der mich im unteren Teil des Boulders eins – zweimal spottete. Wenn du den oberen Teil des Boulders kletterst, wird ein Spotter nutzlos, denn wenn du aus der Höhe auf ihn fällst, riskierst du mehr das Leben deines Partners.
Wie siehst du das Bouldern in Beziehung zu anderen Arten des Kletterns, wo liegt der Unterschied zwischen einem Highball und einem Free Solo ?
In den 50-ziger Jahren war das Sierra Decimal System das am meisten verwendete in America. 3rd class gab das ungesicherte Klettern an steilem Fels vor, 4th class war das gesicherte Seilklettern, aber ohne Haken zur Sicherung, sozusagen Clean Klettern oder Trad-Climbing. Für mich war 3rd class unabhängig von der Schwierigkeit, ungesichertes Klettern, das was man heute als Free Solo bezeichnet. Wenn ich also nahe zum Boden ohne Seil kletterte, bei hoher Schwierigkeit, war ich ein 3rd class Kletterer. Wenn ich höher bei niedriger Schwierigkeit unterwegs war, war ich auch 3rd class Kletterer. Ich sah keinen klaren Unterschied zwischen dem Bouldern und dem was heute unter dem Begriff Free Solo läuft, übrigens ein Ausdruck der erst in den 80-ziger gebraucht wurde.
Yablonski und Kauk kletterten im Yosemite den Boulder Midnight Lightning voll zugekifft. Hast du auch den “American Way of Life” gelebt ?
NEIN. Und ich halte dies auch nicht für den “American Way of life”. Ich hatte ab und zu mal einen getrunken, aber nie Drogen genommen. Ich hatte sogar keine Aspirin genommen bis ich 50 war.
Die Drogenkultur hatte die Kletterer in den 60-ziger Jahren, aber auch spätere Generationen eingeholt. Meine Generation war Yvon Choinard, Royal Robbins, Bob Kamps, Tom Frost, Mark Powell usw, Teilnehmer der Goldenen Jahre – wir haben etwas getrunken, aber nicht zuviel, whoops! Ich habe Warren Harding vergessen.
Wie beeinflusste das Bouldern deine Lebensphilosophy, hat es dich im Kopf frei gemacht ?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe meine Form im Bouldern entwickelt wegen meiner Philosophy zum Bouldern. Ich sah einen Sport, der auch eine Kunstform war. Ich wollte maximale physische Anstrengung, die intelektuell begleitet war. Ich suchte nach Gewandheit, Präzision und Eleganz und zuguterletzt nach Problemen maximaler Schwierigkeit. John im Penyrile State Forrest
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Eine Bizeps-Verletzung beendete deine Boulder-Karierre abrupt, wie konnte das passieren ?
Es war ein komischer Abgang an einem Low-Boulder Problem, mein Fuss rutschte von einem kleinen Tritt, ich hing an einem riesigem Griff über einem Überhang und mein Körper drehte sich. Mein Bizeps des rechten Armes riss dabei ab. Die Muskelansätze waren geschwächt nach 30 Jahre dynamischen Kletterns. Ich war 50 zu dieser Zeit und ich dachte der Vorfall war eine Mitteilung von Gott, er sagte es wäre Zeit es langsamer anzugehen. Ich war damit recht zufrieden. Keine Dynamos mehr. Vor ein paar Jahren kamen Freunde zu mir und überredeten mich wieder zum Bouldern und das mach ich, aber in abgeschwächter Form. Ich klettere wieder Solos in leichtem Gelände.
Das Bouldern heutzutage wird von Sponsoren unterstützt, die Zahl an 8b und 8b+ Boulder wächst schnell, einige werden abgwertet nach einer Wiederholung. Was war dein Motivationfaktor neue Bouldergebiete zu erschliessen und wie hat es die Szene beeinflusst?
Meine Motivation hatte immer einen inneren Ursprung. Ich habe schon über dieses Thema erzählt. Es tut mir leid zu sehen, dass Geld weiterhin das Boulderumfeld vergiftet.
Aber da es Kohle für´s Bouldern schon gibt und du gut bist, geh hin und hol es dir. Ich finde es in Ordnung, dass Boulder-Wettkämpfe in Hallen stattfinden. Dann, je galanter die Form eines Sports, umso eher kann er in der Natur wiederbelebt werden.
Bist du informiert über die heutigen Top-Probleme, zur Zeit bis Fb.8c und wie ist dein Eindruck über den weltweiten Boulder-Trend?
Es scheint, jemand macht einen Dollar mit dem Bouldern! Es freut mich zu sehen, das so viele Kletterer zum Bouldern gehen, aber es macht mich traurig zu sehen, dass der Sport auf puren athletischen Wettkampf reduziert wird.

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Es war so viel mehr für mich – ein Weg, mein Leben im Gleichgewicht zu halten, draussen sein, der Charme kleiner Bouldersessions voller gutem Humor und Inspiration eines jeden von uns, den Don Quixote in uns zu wecken.
Wie auch immer, um die anderen Aspekte zu erfahren, brauchst du relative Einsamkeit, die du in deinem Heim-Bouldergebiet mit 30 herumirrenden Boulderen kaum finden wirst. Wenn zuviele Leute mitmischen, entsteht entweder ein absolutes Chaos, oder Regeln die auferlegt werden, bestimmen den Boulderalltag. Bouldern muss frei sein von allen Regeln.
Aber Deine ursprüngliche Vision des Boulderns stimmt nicht mit dem überein, was es mittlerweile geworden ist , stimmt das?
John free solo in Congratulations Crack Devils Lake 1958
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Du hast recht. Ich nahm einen Sport wahr, der so viel Betonung auf Form und Eleganz legte als auch auf Schwierigkeit. Ungefähr gemustert nach einer uralten Vision eines künstlerischen Turners. Wie es heute aussieht, ist Bouldern in erster Linie eine Jagd nach Zahlen, viele haben ihren Fokus auf Nummern und Buchstaben, wie man sagt, beschreiben diese die Schwierigkeitsstufe.
Wie auch immer, so ist es definiert, mehr als auf der fundamentalen Handlung des eigentlichen Kletterns. Vielleicht ist es auch nur der Medienrummel um das Bouldern. Ein Sprichwort sagt : “The tail wags the dog - Der Schwanz wedelt den Hund”. Mein alter Freund Pat Ament und ich sahen das Bouldern als Poesie des Kletterns und während wir den Wettkampf unter uns genossen, genossen wir auch die Kinästhesie des Sports.
Zudem empfand ich eine Art spirituellen Fluss , der das Bouldern abhob vom wettkämpferischen Vorhaben. Aber ich fand ihn nicht in hoffnungslos schweren Zügen.
Ich hoffe, draussen im Hinterland gibt es Boulderer, die die Kunst des Kletterns und die Kameradschaft zu ihren Mitstreitern schätzen und die Bewertung des Boulders eine eher untergeordnete Rolle spielt.

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Boulderer, die nicht an das Konzept des Kletterns als Metapher – des übertragenenen Ausdrucks- gebunden sind und sich lediglich an den Blöcken tummeln um Freude an der ursprünglichen Handlung zu erfahren. Boulderer, die weiter denken als ihre Kumpels verblassen zu lassen, um sich ins selbst ins rechte Licht zu rücken. Haaallllooo, seit ihr da draussen ….????
Wie sieht es mit der Weiterentwicklung des Boulderns aus?
Ich hoffe das Bouldern behält ein bestimmtes Maß an Würde. Es ist aufschlussreich die Evolution der Kunstturner zu beobachten. Es waren mal Erwachsene, sogar Leute mittleren Alters, die Turnen gingen. Das Alter der besten Wettkämpferinnen war zwischen 16-19 bis Anfang 20. Aber das Publikum forderte immer schwierigere Artistik, sodass das Top-Wettkampf-Alter der Frauen zurück ins Pubertätsalter sank. Die Crew der Anfang-Zwanziger sah keinen Anreiz mehr. Die Situation der Männer ist nicht ganz so dramatisch, aber siehst du bei einem Wettkampf ein Mann Mitte 30, der an den Ringen einen Handstand presst?
Überlasst es nicht den Medien, unseren Sport auf eine handvoll sehr junger Athleten zu reduzieren und der Rest von uns sitzt in einem Stadion, wild applaudierend in den Stühlen. Ignoriere die endlose Liste von Nummern und Buchstaben und bleibe im Spiel mit deinen 30-, 40- und 50 Jahren und noch mehr.
Gehst du heute immer noch bouldern ? Was hat sich aus deiner Sicht in den letzten 40 Jahren geändert?
Option Solo
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Ja schon, aber sehr leicht, kein Wettbewerb mehr, keine harten dynamischen Züge. Ich bin zu alt mit zu vielen fortbestehenden kleineren Verletzungen, ich bin heute 66.
Was hat sich geändert?
Als ich etwa Anfang der 50-ziger Jahre zu der amerikanischen Kletterszene stiess, war Bouldern ein Outdoor-Sport, im Wald, der Wanderer und Wandervereine anzog, oder auch ehemalige Mitglieder von der 10. Montain-Division des 2.Weltkrieges.
Die Schwierigkeit der Boulder war so niedrig, das fast jeder mit guter Kondition und ein bisschen Mühe das oberste Level im Bouldern erreichen konnte. Der Wert eines menschlichen Lebens war relativ hoch, nach dem Horror des 2.Weltkrieges. Die Türen waren für jeden offen, du musstest nur eintreten.
Heute ist Bouldern ein Boulevard Sport, ein X-Game Kandidat. Um an der Spitze dabeizusein und zu konkurrieren, musst du genetisch geeignet sein. Der Wert menschlichen Lebens ist gesunken und Kletterer werden in raffinierter und unraffinierter Art und Weise durch die Medien ermutigt, ihr Leben zu riskieren um das Spektakel zu steigern. Ist das Fortschritt?
Was machst du jetzt, außer ab und zum bouldern gehen?
Ich bin voll pensioniert, aber ich beschäftige mich nach wie vor mit Mathematik. Ich klettere leichte Touren free solo, was ich seit 50 Jahren mache. Ich habe Kinder und Enkelkinder und ich reise mit meiner Frau, wenn es die Zeit zulässt.
Ich korrigiere keine Mathematik Papers mehr !!!
Ich empfehle wärmstens den Ruhestand.
John, thanks.