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von Alex Wenner Interview mit Hans Laub an einem verregneten Dezembertag 2012
Hans Laub im Gespräch mit Alex Wenner, Maria Thieme & Alvaro Forrero
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Hans Laub und Alex Wenner, Dez. 2012
v.l. Hans Laub, Alex WennerBilerserie vergrößern

Telefonat Hans Laub mit AlexW:
Alex:
"Hans , wenn wir am Samstag kommen, bringen wir selbstverständlich Kuchen mit. Hast du eine Kaffeemaschine?"

Hans:
"Nein, eine Kaffeemaschine hab ich nicht! Aber mein Haus, da ist alles einmalig, (kurze Pause) „stadtbekannt“ – sogar über die Grenzen von Pirmasens hinaus – für einen alleinstehenden Mann selten!"

Über die Grenzen von Pirmasens hinaus ist Hans Laub vor allem für seine ingesamt 1500 Erstbegehungen im Pfälzer Sandstein und abseits der Pfalz bekannt, ein berühmter Kletter-Pionier, der mit Klettergrößen wie dem 20 Jahre älteren Fred Frey, aber auch mit dem  Kletterer und Expeditionsfilmer Martin Schliessler, den er 1948 am Battert kennenlernte, auf Kletterfahrt war. Daraus wurde eine 60-jährige Freundschaft.
Hans' besonnene Art, seine freundliche Ausstrahlung, sein Sinn für Kletterphilosophie, für den Stil, der jeweils zu seiner Zeit Standard war, seine soziale Kompetenz als „Mediator“ in den 70ern zwischen neuer Sportklettergeneration und Traditionalisten, sein innere zufriedene Ordnung, die Disziplin die notwendig war, das zu leisten was er geleistet hat und sein ausgesprochenes Interesse am gesellschaftlichen Leben, ob politisch oder bei seinen Zeitungskolumnen, die er auch heute noch handschriftlich verfasst, seine liebevoll gestalteten Fahrtenbücher, die von Anfang bis heute all seine Touren mit Karikaturen dokumentieren, das sind nur einzelne Beispiele, die für mich die lebende Legende Hans Laub als ganz besonderen Mensch ausmachen.

Hans, du bist jetzt 84 und kletterst immer noch – wie lange schon?

Ich klettere seit 76 Jahren. Mit 8 Jahren mit meinen Vater Alfred, ein Kletterer der Pfälzer Pionierzeit, begann ich am Teufelstisch mit dem Klettern, also 1937. Den Normalweg kletterten wir damals technisch mit Schulterstand.

Was war deine Motivation?

Vorwiegend das Naturerlebniss, die Natur bei meinem Sport miteinzubeziehen.  Ich hatte damals schon keine Lust, meine Zeit in der Arena zu verbringen, zum Beispiel in einem Fußballstadion, mit Massen von Menschen.

Zu der Zeit war es eher unüblich, soweit weg von den Alpen klettern zu gehen – Klettern war kein Trendsport mit Hallen und Plaisirtouren - was war besonders inspirierend für dich?
Hans Laub in jungen Jahren – im Hintergrund der Hochstein
Foto: Archiv Hans LaubBilerserie vergrößern

Richtig los gings 1939, Pirmasens war Evakuierungsgebiet. Wir hatten Pirmasens verlassen und sind nach Reutte in Tirol. Mein Vater war nicht beim Militär und ging mit mir zum Hochvogel, auf die Trettachspitze im Allgäu zum Klettern, Gimpel war auch Ziel zum Klettern. 1941 gings zurück nach Pirmasens und ich startete beim DAV Pirmasens, in dessen Jugendgruppe und Klettergruppe . Inspiriert haben mich einerseits das Naturlerlebniss, aber auch die körperliche Herausforderung, was mir sehr gut entgegenkam, ich hatte zu der Zeit eine athletische Statur und meine Sehnen waren stark, also ideal zum Klettern.

Waren eigentlich alle Felsen in der Pfalz, die größten, kartografisch erfasst, oder gab es ähnlich zu den Boulderblöcken die wir in den 90ern suchten, auch neue Massive zu entdecken, nicht nur Linien, die ihr erschlossen habt?
Nein, alle Felsen waren bekannt, die Pioniere 30 bis 40 Jahre vorher hatten diese benannt. Es wurde allerdings nur an Türmen geklettert, nicht an Massiven, also ähnlich wie im Elbstandstein. Der Reiz lag darin, an dem freistehenden Turm zu klettern mit Gipfelbucheintrag am Ende, Massive hatten keine Gipfelbücher. Ich hatte zu der Zeit alle 80 freistehenden Türme in der Pfalz seilfrei wie der Preuß im Auf- und Abstieg geklettert, darunter die anspruchsvollsten Normalwege am Honig (6-) und den an der Adelsnadel (5+), auch der Ludwigshafener Turm war sehr anspruchsvoll,  inspiriert durch den klassischen Alpinismus. Das meiste kletterten wir aber mit Seil, wo es ganz schwierig wurde, natürlich technisch A0 und A1. Der Schliessler sagte einmal: Hans merk's dir – der beste Griff beim Klettern ist der Karabiner (Hans lacht).
Wie waren eure Klettergurte konstruiert,  habt ihr mit Hanfseilen geklettert, aus welchem Material waren eure Kletterschuhe?
Hans klettert die Falkenkante an der Falkenwand/Battert bei Baden-Baden
Foto: Archiv Hans Laub Bilerserie vergrößern

Anfangs kletterten wir nur mit dem Seil um den Bauch und Vibramsohlen-Bergschuhen. 1923, als die Bockverschneidung geklettert wurde, wusste man von einem Knoten oder Klemmkeil gar nix. Dann wurde ein verlängerter Sackstich benutzt, das verlängerte Seilstück diente als Hosenträger über die Schulter und sollte so einen Sturz abfangen. Stürzen durfte man ohnehin nicht. Erst die Franzosen haben den Klettergurt entwickelt und eingeführt. Orientiert hat man sich nach dem Krieg an den Fallschirmspringern und die Beinschlaufen dabei hat man auch für Klettergurte angewendet.

Die Matheis Brüder haben mit der Bockverschneidung  1923 an den Lämmerfelsen ein ganz knackiges Freikletterproblem vorgelegt. Du sagtest, der Otto sicherte den kompletten Riss nicht ab und zog auf den 30 Metern im 6. Grad nur das Seil hinter sich her. Du hast es nach ihm im gleichen Stil wiederholt. Wann war das – on sight free solo oder habt ihr im Toprope die Route einstudiert?

Die Matheis Brüder kamen aus dem Turnerlager und waren sehr stark. 10 Jahre hatte es gedauert, bis die Tour das erste Mal wiederholt wurde. Der Scheiber Rudi hatte es 1933 wiederholt und weitere 20 Jahre danach kletterte ich 1953 die dritte Begehung, so wie die Matheis ohne vorher zu topropen, von unten, ohne irgendeine Sicherung anzubringen, eben so wie es der Otto geklettert hatte. Lothar Brandler  gelang ein Jahr später die vierte Begehung.

Am Sternfels/Pfalz
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Absicherung war zu der Zeit also eher ein Fremdwort. Es gab noch keine Klemmkeile und Cams, betonierte Ringe in der Pfalz gab es auch erst deutlich später.  

Direkt nach dem Krieg haben wir schon Haken geschlagen, Fred Frey war Schmied und hat die Haken angefertigt, auch Ringhaken. Knotenschlingen gab es in Sachsen, davon wussten wir Pfälzer aber nichts, die ersten Sachsen die kamen waren Lothar Brandler und Dietrich Hasse. Die haben uns dann das Knotenschlingen legen gezeigt. Ziel war, so wenig Sicherungen wie nur möglich zu schlagen, an Standplätzen haben wir oft keine geschlagen und auf Absätzen standen wir ungesichert und haben über den Körper den Nachsteiger nachgesichert. Später, als Pit Schubert Tests gemacht hat, Dietrich Hasse war am Sichern und im Sturzstand wurde ein Gewicht fallen gelassen, war klar, dass man über den Körper harte Stürze nicht sichern kann. Erst in den 1970er Jahren kamen die gebohrten Ringe, die man gleich betoniert hat- gesetzt wurden die, um alte Touren zu sanieren. Gebleit wie in Sachsen wurde nichts, später dann gab es paar Touren zum Beispiel von Rainer Scharfenberger, in denen es gebleite Ringe gab.

Eure Touren waren demnach tatsächlich reinste Totesunternehmen, so wie es Güllich und Nöltner später  für ihre Touren wie  Nordpfeiler am Asselstein  oder Zentrale Süd am Pferchfeld formulierten, also mehr ein Free Solo, als ein gut gesichertes Spass-Klettern?
Hans bei der Erstbegehung von der „Himmelsleiter“ am Heidenpfeiler 1960
Foto: Archiv Hans Laub Bilerserie vergrößern

Es gab die freien Linien soweit wir frei klettern konnten, wo es extrem schwer war, kletterten wir technisch, wo wir frei kletterten war es oft auch extrem frei. Da sind wir über längere Strecken auch  ohne Sicherung geklettert und wie schon gesagt, Stürzen war in diesen Touren verboten.

Hast du auch während des 2. Weltkrieges geklettert ? Die Masse deiner Neutouren entstanden danach, viele mit Fred Frey.

41 ging's zurück aus Reutte.  Die Anfangsjahre im Krieg waren nicht so schlimm, die Versorgung war gut , erst zum Ende hin, wo klar wurde, das wir den Krieg verlieren, wurde es auch für uns gefährlich. Frankreich war besetzt, da war es erstmal ruhig hier.  Das war die Zeit der Normalwege. Schlimm wurde es in der Normandie, da war ich 16 und die Jungen, die zu Ende des Krieges eingezogen wurden, waren Kanonenfutter.

Erzähl uns über deine Erlebnisse deiner Erstbegehungen am Pferchfeld – Die beiden klassischen Südrisse (beide 1955), vor denen heute junge Kletterer eine gehörige Portion Respekt haben, sind von dir!

1971 war das Toni-Hiebeler-Treffen in der Pfalz am Drachenfels und er hat mich gefragt, ob wir 3 Tage zusammen klettern. Wir haben uns ein paar Touren angesehen, etliche Felsen, aber am Pferchfeld sagte er: "Hier müssen wir uns nicht mehr weiter umsehen und weitersuchen." Das sind genau die beiden Touren,  die das Klettern ausmachen und die für eine Demonstration des Klettersports beeindruckend genug waren. Etliche gute Kletterer aus meiner Zeit waren am Pferchfeld, keiner vorher wollte diese Linien erstbegehen. Das sind eigentlich in der Pfalz die Risse, die dem sächsischen Rissklettern ziemlich nah kommen.

Hans Laub an der „Viermännerwand“ im Morgenbachtal
Foto: Archiv Hans Laub Bilerserie vergrößern
Die grandiose Himmelsleiter am Heidenpfeiler, die Bogenverschneidung an den Drei Felsen, der DAV-Weg am Bruchweiler (alle 1960) oder der Dezemberweg am Rödelstein (1954) sind von dir  – alles 4-Sterne-Touren - hattest du ein geschultes Auge für aussergewöhnlich lohnende Linien oder mussten die sich über die Jahre auch erst noch abklettern und waren, so wie viele Neutouren heute, sandig und bröselig?
Klettern in Berdorf
Foto: Archiv Hans Laub Bilerserie vergrößern

Die Felsqualität dieser Touren war damals schon einmalig, da war nix sandig oder bröselig. Wir suchten natürlich meistens die Risse und Verschneidungen, die glatten Wände wurde erst später erstbegangen. Wie die Sachsen schon sagten: Riss ist Leben, der Harry Rost sagte, aus einem Riss kann man nicht rausfallen und Manfred Sturm äusserte sich äusserst begeistert über den DAV-Weg und war, da dies kein Riss war, beeindruckt von der Absicherung und der Qualität. Es gab nur ein paar geschlagene Haken.

Was ist deine persönliche Lieblingsroute in der Pfalz?

Als Wegesammler ist das schwierig zu beantworten, ich habe über all die Jahre auch abseits von der Pfalz mehr als 10.000 Wege geklettert. Der Franz-Seiler-Gedächtnisweg  gehört dazu. Franz war ein Jugendfreund von mir und da der Jungfernsprung inmitten von Dahn steht, war das für die Bewohner damals eine Sensation, dass wir da raufklettern.Von der Straße aus haben sie der Erstbegehung zugesehen. Ich habe diese Route Franz gewidmet.

Du hast begonnen, deine Erfahrungen aus der Pfalz aufs Alpenklettern zu übertragen. War die Pfalz lediglich ein Trainingsgebiet für die langen und gefährlichen Alpentouren? Alleine an den Zinnen in den Sextener Dolomiten hast du mehr als 22 Touren geklettert.
Ja, die Pfalz war schon Trainingsgebiet für uns, als Vorbereitung habe ich es betrachtet. Gerne sind wir in den Wilden Kaiser und in die Dolomiten, da hab ich alle damaligen Klassiker gemacht, Fleischbank Südost, die Dülfer, die Buhl an der Mauk mit Dietrich Hasse zusammen, die Rittlerkante, die Schühle Diem/Hasslacher Beringer am Predigstuhl.  Totenkirchl West mit dem Nasenquergang war für mich die Schönste. In den Dolomiten die Comici an der Großen Zinne, die Cassin, die Süd an der Marmolada.
Wie habt ihr fürs Klettern generell trainiert?

Wir haben nicht bewusst fürs Klettern trainiert, ab und an hatten wir Gymnastik gemacht oder Klimmzüge am Rahmen. Für uns war die Freude, der Spass an den Linien vorrangig. An den Wochenenden gings an einen Fels und wir glaubten auch und waren sicher, dass dies für die langen Alpentouren ausreichte. In den Anfangsjahren fuhren wir mit dem Fahrrad von Pirmasens an die Felsen, auch an die in Süddeutschland oder im Elsass, das hatte auch gut trainiert.

Yersenia am Rödelstein/Pfalz
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Was war deine gefährlichste Situation in deiner langen Laufbahn – hattest du kleinere Unfälle oder Abstürze während dieser Zeit und Schutzengel?

Klar, ich habe mir beim Klettern in der Pfalz zweimal die Arme gebrochen. Dreimal bin ich auf den Boden gefallen. Am Zimmerfels am Fersenweg hab ich mir die Ferse gebrochen beim Absturz.  Es waren nur 4-5 Meter Stürze, aber es reicht um sich zu verletzen. Dem Herbert Buchmann hab mit dem Hammer, der am Handgelenk hing, dabei ein Loch in den Kopf geschlagen, als ich in der Braut und Bräutigam Talwand auf die Strasse gefallen bin und ihn dabei gestreift habe.

Dein Jubiläumsriss – der Inbegriff der Risskletterei- aus dem Jahr 1960 am Nonnenfels ist ohne Frage deine berühmteste Erstbegehung. Güllich hatte 1977 die erste freie Begehung geschafft, nachdem Reinhard Karl knapp scheiterte, Rotkreis zu der Zeit. Viele Jahre später, in den 1980ern, kletterte Peter Lischer den Jubi-Riss Free Solo, über Mühes  Idealausstieg. Das ist ja auch heute noch ein anspruchsvolles Testpiece für einen Pfälzer Kletterer und heutzutage kann man den Riss mit Rocks und CAMs pflastern! Macht dies den Unterschied aus oder habt ihr euch den Riss hochgenagelt ? Kannst du zur Erstbegehung was sagen. Wie habt ihr den Riss abgesichert ? Heute gilt ein Rock 5 als elementar.
Yersenia/Rödelstein in der Pfalz
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Für mich ist es DIE Linie, die man sich im Klettern vorstellt – beeindruckend. Da hatten wir schon die Knotenschlingen, wieviele weiß ich nicht mehr. Es waren nicht viele, aber wir haben die auch zur Fortbewegung genutzt – die schwierigste Stelle mussten wir auch frei klettern, weil da kein Knoten passte. Den Jubiläumriss hab ich nur einmal bei der Erstbegehung geklettert, danach nie wieder. Es gab so viele Ziele und Pläne, wir wollten andere Routen sammeln, da wir ja auch in den anderen Gebieten aktiv waren, zum Beispiel am Battert hatte ich damals ausnahmslos alle Wege geklettert, ich war Wege-Sammler, auch die Schiffüberhänge hatten wir geklettert. Und da war es uns wichtig nicht nur die extremen Touren zu klettern , wir kletterten auch die 2er und schönen 3er Wege. Ich wollte auf den Spuren der Pioniere wandeln, es ging nicht nur um den sportlichen Aspekt, sondern auch um Freude und Genuss.

Vom klassischen Klettern zur Moderne – die Blütezeit des Sportkletterns in den 1970ern. Kletterer erschienen, die die Freikletteridee aus den USA und aus dem Elbsandstein auf die Pfalz übertrugen.

Ich habe das von Anfang an akzeptiert und auch bewundert. An der Langmühle im Rudolf Keller Haus war eine Zusammenkunft von vielen sehr guten Kletterern. Goedecke, Oskar Bühler, Kubin kamen, Güllich war nicht da.  Kubin schrieb im Alpinismus über die Superlative, schrieb aber nicht, dass die Ringe von oben gesetzt wurden und viele Versuche vorausgingen bis zur freien Begehung. Die Freikletterer sagten: wir wollen keine Regeln. Eine Regel war : Erschließen von unten, kein Auschecken von oben, kein Magnesia. Referenz für mich waren die Pumprisse im Kaiser – keine nachträglichen Haken in den Pumprissen war eine Forderung – und das war auch eine Regel. Wir sind alle gebunden an Regeln, wie bei allem im Leben. Dann kann ich auch abseilen und in die Superlative  Haken dazusetzen, wenn es keine Regeln gibt. Es kam nicht zu einer Einigung. Was man aber nicht vergessen sollte: ein Fred Frey war 1932 ein Güllich seiner Zeit, auch schon ein super Freikletterer. Die Leistung ist immer an die jeweilige Zeit gebunden, auch von den Ideen war er Protagonist und ist ganz oben mitgeklettert, gemessen an den anderen Kletterern weltweit.

Dann kam der Pfälzer Hakenstreit – Ringe wurden von Fanatikern abgesägt, Touren mit Kachelfett zugeschmiert, z. B. Superlative von Nöltner/Güllich durch Karl-Heinz Dahler aus Berlin, und nur weil sie wegen den neuen weiten Ringabständen die Touren  technisch nicht mehr hochkamen. Wie hast du die Sache zu der Zeit gesehen und beurteilt?

Ich habe beim Hakenstreit nicht mitgemacht. Die Entwicklung war nicht aufzuhalten, ich habe die Berichterstattung nicht für gut empfunden, vieles wurde verschwiegen bei den Freiklettertouren, zum Beispiel, dass einige mit Schwebe geklettert wurden, dies aber nicht gesagt wurde. Die Berichterstattung war oft nicht seriös. Die Entwicklung des Freiklettergedankens und fixen Ringe, als auch die  Öffnung der alten Welzenbach-Skala nach oben hab' ich aber schon als Fortschritt betrachtet und befürwortet, der 6. Grad war Vergangenheit und neue Grade hielten Einzug, obwohl es den siebten Grad, wie wir heute wissen, ohnehin schon viel früher gab.

Hans Laub in späteren Jahren in Schnuldunges – Katerwand bei Hauenstein/Pfalz
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Du sagtest in dem damals neuen Kletter-Magazin „Boulder“ - 1982 - dass die Themen und Fakten im Heft mehr überzeugten als alle Streitereien um die „Neuen Zeiten“ – wie sahen die Neuen Zeiten faktisch aus?

Ringe wurden abgesägt, das hat uns auch von den anderen Gebietsexperten in den Mittelgebirgen, aber auch in den Alpengebieten in Misskredit gebracht, die Pfalz wurde belächelt. Für die Pfalz war es eher ein Rückschritt und heute betrachtet hinterwäldlerisch. Kubin schrieb: „Schilda liegt in Schindhardt", damit war alles gesagt. Ich bin heute froh darüber, dass ich da nicht mitgemacht habe – das war ein Segen für mich.

Du warst der damaligen Klettergeneration an jungen Sportkletterern, den „Outsiders“, denen Nöltner, Güllich und Kubin angehörten, trotzdem sehr neutral und offen gegenüber gestanden, hast den neuen Blickwinkel des Freikletterns toleriert und für gut befunden. Warum, da du ja die ältere Generation, die nach wie vor die ganz extremen Touren technisch klettern wollten, vertreten hast und für Akzeptanz und Toleranz aller älteren Kletterer, auch die der anders Denkenden, appeliert hast?
Hans klettert im „Nasenquergang“ in der Totenkirchl Westwand/Wilder Kaiser
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Beide Stilrichtungen können miteinander auskommen. Wichtig ist dabei die gegenseitige Anerkennung. Dies gelingt nur, wenn man die jeweiligen Leistungen in ihrer Zeit sieht.
In anderen Sportarten gab es auch stetige Bewegung, eine starke Dynamik bringt Veränderungen, man sollte das Alte nur nicht als altmodisch betrachten. Trotzdem bin ich verschiedenen Traditionen, wie z.B. handschriftlich Biefe schreiben, treu geblieben, wenn ich heute Dietrich Hasse schreibe. Neulich unterhielten wir uns über die extreme Neutour mit 14(!) Ringen auf 60 m von 2012 im Elbsandstein, (da gab es wohl auch Veränderungen) treu geblieben. Es ist mir wichtig, alte Werte auch den Jungen noch zu vermitteln, ich war aber auch immer offen gewesen für das Neue.

Du führst seit eh und je ein Neutourenarchiv über die Pfälzer Klettertouren, wobei du akribisch jeden Ring zählst, wovon andere Führerautoren wie Daigger/Cron oder Richter profitieren konnten. Was gefällt dir daran, die Pfalz auf dem aktuellen Stand zu dokumentieren?

Ich möchte die Erschliessungsgeschichte, die ich als junger Bub schon verfolgt habe, lückenlos weiterführen. Ich habe Udo Daigger selbstlos meine Datenbank in dieser Genauigkeit weitergegeben und das hat mich bis heute nicht losgelassen – sie ist heute nicht mehr ganz aktuell, die ganz neuen schweren Touren von 2012 hab ich noch nicht gelistet.

Klettern an der Salbit – Nadel – Schweiz
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Du hattest neulich festgestellt, dass dabei im Führer von Jens  Richter nicht zwischen Gesamringanzahl und nachträglich gesetzten Haken unterschieden wird. In einer deiner alten Touren wurden beisielsweise zwei nachträgliche Ringe gesetzt, und im aktuellen Führer nicht als NH (nachträgliche Haken) aufgelistet. 

Im Daigger/Cron stehen diese Haken als NH drin.
Für mich ist die Überlieferung wichtig und wenn ich 3 Ringe gesetzt habe und im Führer 5 Ringe drin steht und 2 davon nachträglich sind, sollte das auch weiterhin so dokumentiert sein. Ich bin nicht gegen die nachträglichen Haken und begrüße Sanierungen und NH in Touren, die objektiv gefährlich sind.

Du hast so ziemlich alle Epochen der Kletterentwicklung miterlebt- vom Eroberungsalpinismus, über das Direttissima-Zeitalter bis zur moderen Sportkletterroute. Wie siehst du dich in diesem Rad der Zeit?

Alle Epochen waren für Ihre Zeit richtungsweisend und haben mir Spass gemacht. 

Heute gibt es Leute wie Westphal, Ondra, Sharma, Kinder, die bis 9b+ ( 12-) klettern – Interessiert es dich nach wie vor, was in der Kletterwelt abseits der Pfalz passiert?

Ja selbstverständlich. Ich bewundere die Leistungen der Jungen, aber auch was ein Glowacz, Güllich, später die Huber Brüder geklettert haben, zum Beispiel das Alex Solo an der Zinne, finde ich beachtlich.

Was würdest du jungen Kletterern raten, wenn sie neu im Klettersport sind?
Hans Laub klettert die „Comici“ an der Großen Zinne Nordwand - Dolomiten
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Vergiss' erstmal die Zahlen und genieße die Natur. Wenn man die Schwierigkeiten beherrscht, gewinnt man Freude. Klettern ist ein Sport ohne Zuschauer und ohne Stoppuhr. Klettern war für mich immer Selbstüberwindung und Auseinandersetzung mit Fels und Landschaft. Das ist wichtiger.

Der neueste Pfälzer Quacken heisst „Kufenberg“ – den gibt's noch nicht mal in der PK Tourendatenbank. An dem hat es außer einer 6+, ein paar 10er Wegen, ein paar Achtern und ein, zwei Neuner,  kennst du den?

... klar kenn ich den, die ganz Rechte, „Dicke Klunker“ , hab ich letztes Jahr im Toprope gemacht!

Was, das Dach rechts ist glatt 8, und das mit 83?

Alex, in meinem Alter darf man an der Schlüsselstelle schon die Leiter einhängen- mit der gings dann! (Hans grinst schelmisch)

Hans, ich wünsche dir von ganzem Herzen noch viele schöne Klettererlebnisse und Gesundheit.
Danke für das tolle Interview!

Vormerken – Event im März 2013
Diavortrag von Hans Laub am 9.3.2013 am Bärenbrunnerhof – „Abenteuer Fels – Alte Routen“

    Im Fokus des Vortrags stehen Bilder von seinen Erstbegehungen.
    Das sollte man definitiv nicht verpassen meine Damen & Herren!