Soviel Hardware macht mich krank und überlastet mein
ohnehin schon von der Woche ausgebranntes Hirn bei der korrekten
Zuordung, passend zur Tour und passend zur Hose und zum
Shirt. Die Sicherungsteile müssen optisch zur Exxe
passen, der Schrauber zum Achter, das Chalk-Bag zur Hose
und der downturn Schuh zu meiner Halskette. Am Wochenende,
wenn´s raus geht an den Berg, geht der Wenner in die
Abstellkammer und sucht sich das Material zusammen. In etwa
so wie eine Frau, deren begehbarer Kleiderschrank aus allen
Nähten platzt, die im Grunde keinen Plan hat, welcher
Schuh aus ihrer sexy Schuhsammlung zum Mini-Röckchen,
zum Nagellack und zum Oberteil passt.Sicherungsgeräte
gibt's mittlerweile wie Sand am Meer. Halbautomaten,
Vollautomaten, Tuber, HMS, Achter, die überhitze
Birne glüht beim Anblick. Die Hardware-Branche glüht
mit. Alle paar Wochen bringt irgendein Klettermaterialhersteller
was Neues auf den Markt, noch doller, noch sicherer. Gefragt
sind Innovation, ein absolut neues „same, same but
different“ Design und manchmal auch maximale Sicherheit.
Der Test
Der Edelrid
Jul hängt mittlerweile auch dabei, im Dschungel
meiner Automaten und Nicht-Automaten, und besticht durch
seine Form und durch seine Farbe. Oasis präsentiert
sich giftig gelbgrün und passt sehr schön zu meinem
giftgrünen Gurt Hirundos von Petzl. Im Grunde eine
Augenweide, eine harmonische Symbiose, aber auch ein modisches
Blitzgewitter im Kontrast zum zartbraunen sonnenbestrahlten
Sandstein der Pfalz. Der Singletuber Jul kommt in bisher
ungewohnter 2-Kompo Bauweise, der Körper aus Edelstahl,
der giftgrüngelbe Überzug aus Kunststoff. Warum?
Der Edelstahlkörper ist abriebfest mit weit geringerem
Wärmeleitkoeffizienten als Aluminium, der Kunststoffüberzug
schont die Nerven, wenn die Hosen mal optisch nicht zum
Chalk Bag passen und vermeidet hochtöniges Geklimper
beim Sichern. Zudem , wenn´s mal wieder recht hitzig
zugeht am Berg, vermeidet der Kunstoff-Stripper Verbrennungen
an der Handinnen- und Außenseite beim Anfassen.
Die Form dieses Juls macht richtig geil, man könnte
fast sagen, das Auge sichert mit. Getestet hab ich den
stark an einen Manschettenring erinnernden Jul mit einen
9.8mm Seil von Beal und 10.5mm Kabel von Mammut. Seil
ausgeben funzt wie mit Double- oder anderen Single Tubern.
Auffällig wird's, wenn man seinen Partner/in ablässt.
Dann zieht's den hübschen Jul nach unten und er bremst
das Ablassprozedere. Wer´s schneller braucht, zieht
das Teil nach oben vom Körper weg und man lässt
seinen Partner dosiert, aber auch schneller ab. Das einzig
Unschöne ist der nach einer gewissen Zeit farblich
degenerierte Plastikkörper, da sich Staub/Dreck/Imprägnierung
vom Seil am Giftgelbhellgrün irreversibel ablagert
und den strahlenden Body an den Verlaufskanten verfärbt.
Edelrid sollte aus meiner Sicht für die Revision
II den matten Körper eventuell mit Zusatzlack veredeln.
Der Hersteller empfiehlt das Teil für Seile von 8.9
mm bis 10.5 mm, wobei sich dickere Seile im Edelstahlkörper
für meinen Geschmack eher unschön handeln lassen.
Alles in allem, ein nettes Teil für den urbanen und
metrosexuellen Kletterer, dem außer Krallen die
Optik einfach wichtig ist.