CLICK-UP – Ein neues
Sicherungsgerät von Climbing Technology
Bilder: Climbing Technology
Eine der besten Innovationen auf der Outdoor-Messe 2009
war das neue Sicherungsgerät CLICK-UP von Climbing
Technology (Italien), bei dem man bei richtig eingehängtem
Seil und einer kurzen Zugbewegung einen lauten Klick hört,
das CLICK im CLICK-UP. Musik für die Ohren oder noch
ein Halbautomat mehr in der mittlerweile recht unübersichtlichen
Palette an Sicherungsgeräten und Halb-Automaten?
Mit dem Klick jedenfalls wird einem auch akustisch signalisiert,
dass man das Seil korrekt eingefädelt hat. Sollte
man das Seil falsch herum einfädeln, sorgen zusätzliche
Schlitze an der Seite dafür, dass es nicht unkontrolliert
durchläuft. Beim Ablassen löst man den Mechanismus
durch ein „Move up“, das UP im CLICK-UP. Na,
das klingt doch schon mal verlockend, nur für welchen
Zweck braucht der Kletterer von Welt so ein Teil überhaupt
?
Jeder kennt diese endlosen Bouldersessions des Kollegen
in Klettertouren, in denen er sein Leben verbringen möchte.
Manche pilgern an ihre Projekte wie andere nach Mekka.
Und diese Bouldersessions, bis alle Züge sitzen wie
bei einem Kunsturner am Reck, dauern lange, manchmal sehr
lange. Der Lohn der Zeit ist dann eine saubere Rotpunktbegehung
und manchmal ein verärgerter und ausgefrorener Sicherungskollege
mit Genickstarre. In der Fränkischen wurde Ende der
80iger Jahre dafür extra eine neue Zeiteinheit definiert.
Jürgen Claus, der damals zu den ganz Fitten gehörte,
nannte man Sepp. Ein Einfachsepp dauerte genau 45 Minuten,
ein Doppelsepp 1,5 Stunden und manchmal verheizte Sepp
seine Sicherungspartner bei Dreifachsepps beim Ausbouldern
diverser Fingerlochprojekte. Es musste dringend eine Alternative
her, sodass der Azusi am Boden (Ar... zum Sichern), mittlerweile
im Halb-Delirium und mit krampfenden Fingern bei Spitzenbedingungen
um die 5-10°C, dankend entlastet werden konnte. Der
HMS oder der heiß geliebte Achter, der damalige
König der dynamischen Sicherung, hatte ausgedient
und der Halbautomat war ganz plötzlich herzlich willkommen.
Petzl innovierte damals mit dem Grigri
die Azusi-Welt und auch heute noch gilt er als der Veteran
unter den Automaten. Alles wurde schöner, das Sichern
begann Spass zu machen. Nach und nach rückten andere
Firmen nach, die Teile wurden immer futuristischer im
Design, erforderten teilweise allerdings ein Maschinenbaustudium,
bevor man sie fachgerecht in Betrieb nehmen konnte. Falsch
eingelegte Seile führen zum Kontroll- und vor allem
Funktionsverlust. Die Liste an Fehlerquellen, mit denen
sich ein professioneller Azusi rumschlagen muss, ist lang.
Der hochgelobte Cinch
als heißer Grigri Competitor funzt ohne Feder und
klemmt leicht, ist also zuverlässig, zumindest solange
das Seil korrekt eingelegt wurde. Das Eddy
von Edelrid hat eine ähnliche Funktionsweise wie
das Grigri, bietet aber laut Praxistests und Hersteller
die extra Portion Sicherheit mittels Notbremse bei zu
schnellem Ablassen. Das Sum kann neben dem Eddy für
extrem dünne Einfachseile verwendet werden. Soweit
ein paar Fakten zu alt bewährtem.
Was macht nun der CLICK-UP anders ?
O-Töne:
„was is´n das ? sieht verdammt gefährlich
aus“ ,
wobei das in der Jugendsprache soviel heisst wie „heisses
Teil“. „Schöne Farbe!“
Climbing Technology produziert in Europa und nicht im
Osten oder in Asia Pacific - ein Zeichen für Spitzenqualität?
Die Spezifikationen des Herstellers lesen sich beeindruckend.
Der CLICK-UP erreicht bzw übersteigt die Vorgaben
der neuen UIAA Normen, die heute an ein modernes Sicherungssystem
für das Sportklettern gestellt werden.
Das Handling ist kinderleicht, Seil einlegen, Karabiner
rein, zuschrauben und los gehts (Bilder 1 + 2).
Mit dem CLICK Sicherheitssystem
ist er innovativ. Das bewusst richige Einlegen des Seils
sollte aber auch ohne CLICK Kontrolle bestens funktionieren,
schließlich zeigt eine Illustration auf der Ober-
und Unterseite des Geräts die richtige Funktion,
die Führungs- und die Bremshand an. Da kann kaum
was schief gehen, eine Endkontrolle sollte sowieso Standard
sein, bevor der Kletternde und Sichernde loslegt. Andererseits
hätte der Hersteller beide Seiten auch unterschiedlich
farbig machen können, sodass z.B. orange = Kletterer
und z.B. blau = Führungshand anzeigen würde,
dann wär das Teil noch innovativer, was Sicherheit
betrifft.
Der CLICK-UP deckt den heute üblichen Seildurchmesserbereich
vollständig ab, er kann für
9 mm Seile bis zu 10,5 mm verwendet werden, wobei
ich aufgrund des gestrafften Innenlebens des CLICK-UP´s
zu kleinen Innendurchmessern tendieren würde, ein
9 oder 9,5 mm Seil läuft butterweich in dem Halbautomaten,
während ein aufgeschwemmtes getestetes 10mm Seil
(now ~ 10.5mm) schon höhere Reibung im CLICK-UP-Körper
hatte. Am ähnlichsten, wobei ein Vergleich hinkt,
dürfte das SMART von Mammut (kein Halbautomat, aber
vom Sicherungssystem vergleichbar) sein, daher habe ich
den CLICK-UP gegen den SMART und den Grigri, den ich schon
seit seiner Einführung in Gebrauch habe, gestestet.
Das Seil wird in den CLICK-UP eingelegt wie bei einem
Tube, leicht, so wie auch bei dem SMART oder Grigri (nicht
mit Tube vergleichbar). Überragend zeigt sich der
neue CLICK-UP sowohl beim Seil ausgeben, als auch beim
Ablassen, das supersoft und leicht zu dosieren vonstatten
geht.
Seil ausgeben: funktioniert sehr schnell, da der Blockiermechanismus
bei schnellem rausziehen des Kabels nicht blockt, bei
einem Sturz in gleicher Sekunde, blockiert das System
(Bild 4). Beim SMART wird das Seil in dem Punkt bei zu
schnellem Ausgeben sofort geblockt und beim Grigri muss
der erfahrene Sicherungsmann den Ballen auf den Hebel
drücken, damit es funktioniert, was bei unerfahrenenen
Kletterern schon zu unschönen Unfällen geführt
hat, da bei geringem Sturzfaktor der Ballen leicht den
Bremsmechanismus überlistet hat und das Seil frei
durchlief. Genau das passiert mit dem CLICK-UP NICHT! Die Bremshand muss
allerdings auch beim CLICK-UP am Seil bleiben.
Beim Ablassen, indem man soft die Kippneigung variiert
oder hochzieht durch den „Move up“, hat er
mir von allen Dreien am besten gefallen. Sehr elegant
und wohl dosiert gehts abwärts, während das
Daumen-Prinzip beim SMART da schon deutlich ruckeliger
vonstatten geht und die Dosierung gewöhnungsbedürftiger
ist.
Wenn das CLICK-UP nach einem Sturz blockiert hat, was
übrigens auch mit einem CLICK akkustisch wahrnehmbar
ist, löst man den Mechanismus leicht, indem man den
CLICK-UP mittels MOVE UP von sich wegzieht, dann lässt
sich auch das Seil wieder wie gehabt leicht ausgeben.
Im Toprope-Fall zieht man einfach den CLICK-UP durch MOVE
UP weg und danach wie gehabt das Seil weiter ein.
Fragen, die die Kletterwelt bewegen
Leicht verständliche Handhabung ?
Ohne Frage funktioniert das CLICK-UP auch ohne Maschinenbaustudium
von der ersten Sekunde an, wie ein Tube, blockt aber im
Ernstfall wie ein Grigri oder SMART oder wie ein anderer
Halbautomat. Wer 2+2 zusammenzählen kann, sollte
bei der Eingewöhnung an ein neues Sicherungssystem
wie dem CLICK-UP nicht scheitern. Kinderleicht !!!
Gibt es einen Bremskraftverstärker wie
beim ATC für eine V-förmig gezahnte Seilführung?
Das möchte ja beim dynamischen Sichern eigentlich
keiner. Wer es dennoch braucht, dem hilft die Zahnung
im CLICK-UP in Kombination mit Seilen ab 10mm oder beim
Ablassen von Kandidaten über 100kg mittels Kippneigung
und Hochziehen des CLICK-UP´s im Karabiner.
Einfach- oder Doppelseil ?
Einfachseile only. Ist für Doppelseile genau wie
Grigri oder SMART nicht konzipiert. Wer das braucht, nimmt
z.B. den ATC guide.
Durchmesser, Specs der Seile und Gewicht?
Wie gesagt laufen Seile von 9 bis 9,5mm butterweich im
System, dickere Seile wirken als Bremskraftverstärker.
Ich würde dem CLICK-UP ein Seil < 10 mm gönnen,
denn dann ist er im Vergleich zu seinen Konkurrenten im
Handling und was derzeitige Sicherheit betrifft TOP.
Lässt sich Seil leicht ausgeben & einziehen?
Klarer Testsieger bei meinem Test im Vergleich zu Grigri
oder SMART bei 9 mm und 9,5 mm Seilen. Stürzt ein
Kletterer im Toprope, blockt der Mechanismus mit einem
CLICK, der sich wie oben beschrieben leicht lösen
lässt. Einziehen und ausgeben ist in etwa vergleichbar
mit einem Tube.
Dynamische Sicherung beim Sturz?
Je nach Sturzfaktor hatte ich das Gefühl, dass es
zu einer leichten Verzögerung im Bremsmechanismus
kommt, d.h. die Sicherung dadurch für einen Halbautomaten
dynamischer ausfiel, als man das von z.B.vom Grigri gewohnt
ist. Daher auch ein großes Plus hier in dem Punkt.
Hardcore Test:ACHTUNG,
bitte nicht wiederholen, da ihr dazu viel Sicherungserfahrung
braucht: Führungshand weg vom Seil, Toprope
in 10 m Höhe (14 m gesamt, 1 Umlenkung, wenig Seilreibung)
> Sturz > 4-5 m Freiflug bis der CLICK-UP von alleine
zugemacht hat. Wird der Sturz härter, blockt es allerdings
genauso wie ein Grigri direkt und man springt oder läuft
dem Freiflieger am besten bisschen entgegen, um den Sturz
weicher zu gestalten im Vorstiegsfall. D.h. der Mechanismus
wird demnach schneller ausgelöst wenn, beispielsweise
bei einem Topropesturz, von der Bremshandals Bremse mehr
Gegenzug da ist.
Ablassen?
Auch hier ungeschlagen auf Platz 1, supersoft und Ablassgeschwindigkeit
variiert mit Kippneigung im Karabiner. Um das zu beschleunigen,
zieht man den CLICK-UP durch MOVE UP zusätzlich nach
oben, also vom Karabiner weg. Einfach mal ausprobieren.
Blockt wie Grigri – kann man loslassen?
Ja man kann das Seil bei kalten Boulder-Sessions genauso
loslassen, wie man das vom Grigri oder SMART kennt. Die
Führungshand muss/sollte trotzdem am Kabel sein,
eben genau wie beim Grigri !!!
Was passiert, wenn man das Seil falsch einlegt?
„Unmöglich“, wer Zeichen deuten kann
und zudem versteht, auch ohne zwei unterschiedliche Farben
an Ober- und Unterseite. Wer es trotzdem falsch rum einlegt,
hat ohne Blockier-Mechanismus eine Art Tube mit wenig
Reibung. Daher sofort korrigieren und weiter gehts.
Krangeln beim Ablassen, Kante (Seilreibung und
Belastung)?
Nicht wie beim Grigri über seitliche Kante, sondern
wie bei einem Tube oder SMART vorne über weiche Zahnung
ablassen. Da krangelt nix und ist genauso seilschonend
wie jedes andere System auch.
Kann man mit dem Teil abseilen?
Der Zielkreis liegt nicht beim Abseilen sondern beim sicheren
Sichern und mein Achter muss ja auch mal für irgendwas
herhalten bei dem vielen Sicherungsmetall am Gurt. Zudem
wird's am Doppelstrang nicht funktionieren, am Einfachstrang
sicherlich, so wie mit einem Grigri z.B. für Foto-Sessions,
wo man zwei freie Hände braucht.
Technische Daten
Gewicht: 109 g (vgl. Grigri: 180 g) Seildurchmesser: 9 mm – 10,5 mm
FAZIT:
Wer einen sicheren Halbautomaten und im unübersichtlichen
Hardware-Angebot eine innovative Neuheit sucht, ist mit
dem CLICK-UP sehr gut bedient. Wer nach kurzer Eingewöhnungsphase
die Basics verstanden hat, dem steht zum ungetrübten
Sicherungsgenuss nichts mehr im Weg.Die Bremshand muss allerdings auch beim CLICK-UP
am Seil bleiben. Nur klettern müsst ihr noch selber.
Viel Spass dabei in 2010: „..mit immer gutem Grip
nicht loslassen, dann machts auch „nicht“
CLICK beim CLICK-UP.
Note:
9/9,5 mm Seile: sehr gut
10 mm and above: ausreichend bis befriedigend,
da dicke Seile sehr viel Reibungswiderstand haben.